Die Karawane zieht weiter …

Nun sind mehrere Tage seit dieser „Schicksalswahl“ ins Land gezogen und ich schaue mich um, ob das Abendland denn schon untergegangen ist.
Nein, es steht noch. Noch.
Eigentlich haben mir gewisse Kreise ja schon nach Donald Trumps Wahl zum US Präsidenten den Weltuntergang versprochen, aber der weigert sich hartnäckig. Und nun auch noch die AfD, oh Gott oh Gott. Knapp 13% und bei einigen Volksgenossen setzt die Schnappatmung ein. Als ob Gauland Bundespräsident geworden wäre und Bernd Höcke Kanzler.

Natürlich wussten alle, dass der Osten und genauer die Sachsen Schuld sind. Schon allein wegen Pegida und NSU und … ach überhaupt; weil es Ossis sind. Warum so viele enttäuschte Wähler ihr Häkchen diesmal nicht bei CDU/CSU, SPD und GrünInnen gesetzt haben, hat bisher keiner der Parteistrategen verraten. Vielleicht wollen sie es auch gar nicht wissen, immerhin ist nach der Wahl vor der Wahl. Und jetzt wird es für zwei Fliegenschisse besonders spannend: Mit Grün und Gelb bestimmen zwei Fraktionen die Geschicke dieses Landes mit, denen jeweils nur knapp ein zweistelliger Prozentteil der Wähler sein Vertrauen ausgesprochen hat. Die geprügelten Sozen schmollen in der Opposition (wobei ihnen einer ihrer Vordenker mal ins Stammbuch geschrieben hat: Opposition wäre Mist) oder warten, bis das Schwarz-Grün-Gelbe Gedöns wackelt und auseinanderbricht und man wieder nach ihnen ruft. Kann natürlich auch sein – dem Martin aus Brüssel (warum, oh warum gab es für den keine andere Anschlußverwendung?) ist dieser Schachzug zuzutrauen. Als über alle Maßen erfolgloser Kanzlerkandidat hat er nach dem vergeigten Sturm auf die Waschtrommel selbstverständlich die richtigen Konsequenzen gezogen und ist …. nicht zurückgetreten. Da würde er ja jetzt genauso unbedeutend werden wie der noch amtierende Außenminister und Vizekanzler Gabriel. Obwohl, als Außenminister war er wohl besser als erwartet, aber nicht wenige seiner Genossen kreiden ihm diesen Wahlausgang an. Der Wurschtelkurs als Parteivorsitzender und diese hopplahopp Kandidatenkür waren aber wirklich nicht der große Hebel, liebe Genossen. Euren mutlosen und offensichtlich heuchlerischen Anti-Mutti-Kurs hat euch das geneigte Stimmvieh nicht mehr abgenommen. So einfach kann das manchmal sein. Ihr habt euch das in der GroKo kuschelig eingerichtet und dann plötzlich den großen Schrecken bekommen, als man euch in die Mithaftung bei Muttis Flüchtlingskurs nahm.
Ach ja, die Mutti („Sie kennen mich …“), die hat nun 4 Jahre damit zu tun, den Laden zusammenzuhalten und in Ruhe einen Nachfolger/eine Nachfolgerin aufzubauen. Da bleibt fürs Regieren wenig Zeit. Schäuble, der Garant des soliden Haushalts und Bollwerk gegen die Traumtänzereien der anderen Ministerien, ist weg und dem Onkel Horst steigen sie in Bayern aufs Dach, wenn er in Berlin nichts reißt. Es werden also nur noch Nachfolgekämpfe und Rangkämpfe der kleinen Koalitionspartner ausgetragen. Von ehrlichen und echten politischen Debatten, den Fragen wie wir eigentlich im 21. Jahrhundert leben wollen, habe ich mich schon lange vor dieser Wahl verabschiedet. Frau Merkel sieht das übrigens ähnlich: „Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssen“. Sehe ich auch so, es hat ja aus Ermangelung von Gegnern wieder mal für die Kanzlerschaft (sehr wahrscheinlich die letzte) gereicht. Mehr ist nicht wichtig. Die drängenden Fragen zu beantworten oder auch nur zu diskutieren war ja in den 12 Jahren davor auch schon nicht wichtig. Schade, dass sich diese Frau so wenig bis gar nicht für Politik oder auch nur irgendwas außerhalb des CDU Präsidiums interessiert.
Glaubt doch nicht, dass auch nur irgendein Problemchen in diesem Land gelöst wird, weil jetzt der edle Retter aller Ärzte und Rechtsanwälte, Herr Lindner und die Bevormunder Göring-Eckardt/Özdemir auf die Regierungsbank zurückkehren werden.
Wird es halt in 4 Jahren für die AfD für 20 plus x Prozent reichen. Sachsen sollte dann schon mal die Möglichkeiten eines Saxit eruieren. Bei Katalonien kann man schon mal sehen, wie es nicht geht. Es werden dann alles wieder tumbe 25% Nazis sein (dann gehen uns aber so langsam die abgelegenen Dörfer aus, wo die blaue Pest angeblich gewählt wird), die nicht einsehen wollen, dass diese Multikulti-Schlafwagen-gute-und-gerne-Lila-Laune-Wischi-Waschi-Politik alternativlos ist.

In diesem Sinne.

Zum Schluß kriegt Game of Thrones den Moralischen

Leider leider, Vieler Menschen beliebteste Fernsehserie „Game of Thrones“ neigt sich dem Ende entgegen, was man an vielen schwachen und lustlosen Folgen von Staffel 7 sehen kann.

Ja, bei den special Effects und Bildsequenzen hat man noch ein Schüppchen draufgepackt, aber darunter haben die zwischenmenschlichen Konflikte und die Entwicklungen der einzelnen Charaktere gelitten.

Es kommt einem so vor, dass die Macher nun auf einmal feststellen, dass sie nur noch zwei stark verkürzte Staffeln zur Verfügung haben, um ihre Geschichte auszuerzählen. Also wird alles auf Krampf und mit der Brechstange in den Haupterzählstrang genagelt.

Da wir nur noch 6 Folgen vom ultimativen Ende der Saga entfernt sind, richten die Macher den moralischen Kompass neu aus. Einerseits ist das ja schön anzusehen, weil es meistens bedeutet, dass unsere liebgewonnenen Serienhelden ihre Rache erhalten. Sansa Stark durfte zum Abschluß der 6. Staffel ihren Peiniger (und Nervbolzen) Ramsay Bolton von Hunden zerfleischen lassen (nicht sehr Lady-like), Arya Stark meuchelt die gesamte Sippe um Walder Frey ab und gemeinsam setzen sie (Achtung Spoiler) Littlefingers Leben ein Ende.

Gerade bei Littlefinger Petyr Baelish ist das schon recht zwiespältig. Schließlich ist er der Auslöser des gesamten Game of Thrones und seit der ersten Staffel dabei und zweitens blieb er in seinem intriganten Engagement auf Winterfell weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Wir erinnern uns: im Komplott mit Olenna Tyrell ermordete er sogar einen König. Und nun kriegt er es nicht mal gebacken, zwei Schwestern gegeneinander auszuspielen. So einen auch aus Storylinegründen verschenkten Abgang hat der Meister der Intrige nicht verdient, auch wenn wir diesem Arsch sein Dahinscheiden mit ganzem Herzen gewünscht haben. Aiden Gillen hat ihn mit großer Kunst als Ekelpaket dargestellt, wenn auch immer over the top.

Theon Greyjoy ereilt die späte Reue und bricht fast vor John Snow (Achtung Spoiler: ich meine Aegon Targaryen) zusammen. Später startet er wagemutig wie nie zuvor zu einem Himmelfahrtskommando, um seine Schwester Yara zu retten. Was ist nur aus dem schwanzlosen Theon geworden, der zwischen unterwürfigem Sklaven und größenwahnsinnigem Egomanen wechselte?

Und so weiter, und so weiter – die handelnden Charaktere und Figuren mussten moralisch festgetackert werden, weil man mit Entsetzen zusammenrechnete, dass nur noch 6 Episoden verbleiben, um die eigentliche Handlung in die Gänge zu kriegen: den Großen Krieg gegen den Night King und seine Zombiearmee, der es nach 6 Staffeln nun geschafft hat, die Große Eismauer zu überwinden. Ja sorry, nochmal Spoiler. Aber während es Danaerys schafft, auf einem Drachen innerhalb eines Tages von Dragonstone nach Eastwatch zu fliegen, braucht diese Horde von Untoten Jahre, um in die Nähe des Great Walls zu gelangen.

Nur Cersei darf weiterhin so verschlagen und strippenziehend bleiben, wie wir sie kennen. Nein, nicht lieben. Dazu bietet mir persönlich der Charakter zu wenig an. Da ist nur der Wille zu herrschen, um des Herrschens Willen.

Aber immerhin darf ihr ihr Bruder-Liebhaber Jaime Lannister eine Art „Entwicklung“ durchmachen. Am Ende bringt er sogar genug Einsicht und Energie auf, um sich von seiner bösen Schwester-Liebhaberin (und Mutter seines ungeborenen Kindes) zu lösen. Das ist dann auch die für mich stärkste Szene des Staffelendes. Der ehemalige (?) Lannister-Armee-Oberbefehlshaber, wie er im ersten Schneefall über Kings Landing (wahrscheinlich seit Jahrhunderten) nach Norden reitet.

https://www.youtube.com/watch?v=kw1BteiVi80

https://www.youtube.com/watch?v=Y9CVU6q9vWk

Apfelbaum vs Dembele vs Mayweather/McGregor

Borussia Dortmund hat die Katze aus dem Sack gelassen: Für den Arschfick durch Transfer von Dembele zum FC Barcelona überweisen ihnen die Katalanen ca. 147 Millionen Euro auf das Girokonto.

Der diese Nacht stattfindende „Kampf des Jahrhunderts“ zwischen Floyd Mayweather und Conor McGregor macht beide Kontrahenten ebenso reich. Der Eine erhält eine Aufwandsentschädigung von ca. 100 Millionen US Dollar (in der Größenklasse wollen wir bei den Einserstellen mal nicht so genau sein), der Andere wohl doppelt so viel. Sagt man so. Denn über Geld spricht man nicht. Das streicht man ein.

In meinem Gartenverein erntet ein ganz bestimmter Gartenfreund seinen schönen Apfelbaum wieder nicht ab. Alles wird auf den Boden fallen und dort mir nichts dir nichts vergammeln.
Ich könnte wetten, der besagte Pächter spielt herausragend gut Fußball oder boxt auf Weltniveau.

Slowdive – die Shoegaze Götter sind zurück

Es gibt sie also doch noch, die Milde und Güte der Götter.
Sie hatten ein Einsehen und vor allem Mitleid mit uns armen Sündern und sandten ihre Propheten zurück auf die Erde. Damit sie unter uns weilen und Gutes tun.

Haben sie auch.

Nachdem sich Slowdive 2014 ja schon für ein paar Liveauftritte auf diversen Festivals wiedervereinigt hatten, haben sie jetzt auch ein neues Studioalbum veröffentlicht. Also, der Menschheit geschenkt.
Slowdive lautet der eponyme Titel dieses Silberlings, auf den die Fans satte 22 Jahre warten mussten. Jaja, die Götter können auch grausam sein …

https://www.youtube.com/watch?v=5HZYhcyHNo8

Natürlich klingen meine Shoegaze-Helden nicht mehr so unbekümmert wie 1992 und auch die Pedals und Effektmaschinen werden viel überlegter eingesetzt, aber schon bei den ersten Gitarrenriffs ist der alte Slowdive-Zauber sofort wieder da. Die hellen Gitarrenschläge, die Echo- und Hall-Effekte, die Melodiestrukturen, die sich irgendwo in Traumregionen verlieren, das prägnante Schlagzeug – es ist alles da, was zu einem großartigen Slowdive-Album gehört. Man muss sich nur mal in Everyone knows oder Slomo reinhören, um gewahr zu werden, welche Klanggemälde diese Musiker imstande sind aufzubauen.

Ob es nun an Rachel Goswells durch Krankheit bedingter Taubheit liegt oder die Stimme nicht mehr ganz so da ist – jedenfalls sind ihre reinen Gesangsanteile gegenüber den früheren Alben stark zurückgefahren worden. Wenn es aber drauf ankommt, haucht die Sirene wie eh und je.

Oftmals hat man ja den Fall, dass großartige Musiker in ihren Alterswerken so eine Art Zynismus an sich selbst anlegen und so zum Beispiel die Erstlingswerke verleugnen. Das kann ich bei Slowdive nicht ausmachen. Sicherlich wird kein zweites Shine zu erwarten sein und auch der Hang zu überlangen epischen Songs hat sich verwachsen, aber dafür gibt es eben auch die Frühwerke, an die man sich halten kann.

Ich halte nicht viel von Vergleichen. Slowdive klingen eben wie Slowdive. Nicht mehr ganz so jugendlich verspielt, etwas glatter aber eben noch immer wie die Band, die Anfang bis Mitte der 90er Jahre die Maßstäbe im Shoegazing setzte.

Kaufempfehlung – diese Frage stellt sich mir gar nicht. Wirklich nicht. Eine Band, die soviel an Renommee zu verlieren hat, kommt nicht nach 22 Jahren wieder im Studio zusammen, um Murks abzuliefern.

Obermühle Geunitz am Deutschen Mühlentag 2017

Obermühle Geunitz im Reinstädter Grund

Seit mehreren Jahren bin ich am Pfingstmontag in Sachen Deutscher Mühlentag unterwegs. Ich habe dabei schon so einige Mühlen besichtigt und war nie wirklich enttäuscht. Selbst den lausigsten Objekten konnte man noch irgendwo, irgendwie etwas abgewinnen.
Das Problem ist immer, dass man sich eine Route zusammenbasteln muss, um an diesem einen Tag soviele Mühlen wie möglich abzuklappern, ohne dass es stressig wird. Dieses Mal zog es mich in den Reinstädter Grund, was ein landschaftlich auffälliges Seitental des Saaletals ist, um die Obermühle Geunitz zu besichtigen.

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Osterfeuer!

abgebranntes Osterfeuer

Ich oute mich als Liebhaber von Osterfeuern.

Wie jedes Jahr war ich zu Gast beim Osterfeuer im Nachbardorf. Nicht allzu lange, sondern nur solange, wie es für ein Häkchen hinter Teilnahme: ausreicht.

Ein ziemlich ungeordnetes Osterfeuer
Osterfeuer 2017

Auf dem Land ist es gute „Tradition“, dass zu Ostern lauter brennbares Material zusammengetragen wird, dass dann zwischen Gründonnerstag und Ostermontag abgefackelt … kontrolliert abgebrannt wird.

Natürlich hat das Ganze nichts mit einer irgendwie gearteten christlichen Osterbotschaft zu tun. Aber das nur am Rande.
Man steht nur beisammen (okay, beieinanderstehen tun nur die Eingeborenen), trinkt Bier aus der Flasche und isst eine Bratwurst. Mit Fortdauer des Events werden die Leute zunehmend betrunkener und wer weiß, wie so eine Veranstaltung endet. Ich kann das nicht sagen, da ich immer rechtzeitig die Segel streiche.

Mir gefällt aber die Atmosphäre, die Ungezwungenheit, das Einfache, Rustikale. Keine musikalische Begleitung, keine verschwurbelte künstliche Überfrachtung und auch keine Bewerbung als Tourismusmagnet. Das Wort „bodenständig“ kommt mir oft in den Sinn.

Bei den Bildern im Tageslicht sieht man erstmal, welchen Qualm diese Angelegenheit entwickelt. Über dem Dorf lag eine Dunstwolke, die man kilometerweit sah. Es hatte vorher zwar kräftig geregnet, aber ich glaube, da war nicht nur abgelagertes Holz der Flammen Opfer geworden. Der gelbe Rauch ließ viel Raum für Spekulationen.
Bei den Nachtbildern hätte man träumen und sich an den Hängen des Vesuv wiederfinden können (oder beim Schwelbrand einer illegalen Mülldeponie bei Neapel).

Zutiefst ländlich verwurzelt verweigern sich diese heidnischen Zeugen allen urbanen Versuchen der Vereinnahmung und Kommerzialisierung. Osterfeuer sind da (noch) ein echtes Bollwerk, aber ich will das auch nicht mythologisieren und überbewerten. Letztlich brennt da auch nur ein mehr recht als schlecht zusammengestellter Holzhaufen, während einige Dutzend Schaulustige sich am Anblick erfreuen und überteuertes Bier trinken, was sie sich auch günstiger hätten besorgen können. Und ja, es könnte so viel mehr sein – aber wahrscheinlich würde es dann nicht funktionieren.

Der Schmied Pfitzenmeier

Vor ein paar Wochen fuhr ich mit D. während eines heftigen Schneefalls im Auto mit und nach dem Parken lief vor uns eine alte Frau von der Sorte „unkaputtbar“. Ihr kennt diesen Typus sicher. Kopftuch, Rock, Strumpfhose und Schuhe, die eher an Pantoletten erinnern. Zuhause tragen diese Geschosse nur Kittelschürzen aus Dederon (sagt man das heute noch so?).

D. meinte nur: „Die werden auch immer weniger, diese Sorte stirbt langsam aus.

Ja.

Das ist diese Generation, die bei 20 Grad Minus oder 30 Grad Plus mit einer Strumpfhose auskommt. Die mit ihren bloßen Händen frisch gekochte Kartoffeln halten und pellen können.

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https://www.youtube.com/watch?v=sJusF5YHEFE

Ich bin ja vernarrt in so alte Zeugnisse (Bilddokumente), wie über den Schmied Pfitzenmeier. Den habe ich genommen, weil es die früheste Folge aus der Reihe „Der Letzte seines Standes“ ist, die ich kenne (1988). Ich hätte auch ganz andere Videos raussuchen können wie z.B. über den Sägemeister vom Gampenpass, Johann Piazzi, der noch mit über 90 Jahren seine Sägemühle beschickt hat. Über den leider schon verstorbenen Fredi Habermann, den urwüchsigen Schmied aus Böhmen oder auch den alten Holzrücker aus Südtirol. Es spielt keine Rolle, die Grundaussage ist immer dieselbe. Da gibt es Leute, die haben von ihren – sagen wir mal – 90 Lebensjahren 75 mit Arbeit verbracht. Jeden Tag. Am Sonntag ging es vielleicht mal in die Kirche oder in die Gaststube beim Wirt. Ansonsten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang malochen.

Und dabei Dinge herstellen, erschaffen. Mit den eigenen Händen. Wenn man sich diese schlussendlich betrachtet, sieht man, wie sich dort ein ganzes Leben eingegraben hat. Handwerk eben. Die wussten noch um Fertigkeiten und Fähigkeiten, um Gegenstände des täglichen Bedarfs in ihren Werkstätten zu fertigen. Gut, auch zu ihrer Zeit waren bereits viele Arbeitsschritte anteilig ausgelagert. Aber weitaus mehr als heute wurde noch in Eigenregie erledigt.

Ich kann sowas nicht. Ich erschaffe nichts mit meinen Händen. Ich bewundere höchstens diese Leute, die sowas noch konnten. Von mir werden Pixel zurechtgeschoben für Leute, die ich größtenteils nicht kenne und auch nie kennenlernen werde. Die Arbeit und ihr Wert, der Verrichter dieser Arbeit und der Auftraggeber sind in höchstem Maße voneinander abgekoppelt. Die einzige Beziehung in der sie noch stehen drückt sich durch die Finanztransaktion zwischen den Geldkonten aus. Früher gab es da viel mehr Tauschgeschäfte.
Meine Arbeit ist flüchtig. Die Webseite kann morgen ganz anders aussehen oder auch schon wieder gelöscht sein. Ob sie jetzt wirklich jemandem dabei hilft, seine Grundbedürfnisse zu befriedigen, kann ich nicht mal sagen.