Afghanistan – Wasted Years

Nach dem Fall von Kabul – oder sollte man sagen, „friedlichen Übergabe“ – dürfte nun auch dem letzten Träumer klargeworden sein: Ein großes Scheitern fand seinen vorläufigen Abschluss. Oder auch Höhepunkt, denn die Geschichte ist noch lange nicht vorbei.

Afghanistan ist ein failed state, obwohl es ein staatsmäßig organisiertes und vor allem funktionierendes „Afghanistan“ nach westlichen Vorstellungen nie gab. Letzten Endes ist es eine patriarchalische Stammesgesellschaft, selbst wenn die Gotteskrieger modernste Waffen tragen und mit mobile phones und tablets arbeiten.

Die Übernahme der Macht durch die Taliban kam mit Ansage, nur das Tempo war dann doch überraschend. Eine Bevölkerung von 38 Millionen Einwohnern, eine von der NATO ausgerüstete und ausgebildete Armee von 300.000 Mann (was nach neuesten Erkenntnissen auch nur eine weit übertriebene Zahl ist), zahlreiche Polizeikräfte usw. und dann kommt eine 80.000 Mann starke Fundamentalistentruppe und übernimmt handstreichartig den Staat. Zu glauben, dass so etwas ohne breiten Rückhalt in der Bevölkerung funktionieren kann, ist naiv und töricht. Viele Afghanen werden die Lügen, die Korruption und falschen Versprechungen einfach satt gehabt und sich den Kräften zugewandt haben, von denen der jüngere Anteil der Bevölkerung nur noch über das Hören-Sagen Kenntnis hat. Und wie verklärend das Hören-Sagen ist, wissen wir selbst nur zu gut.

Als Peter Scholl Latour noch lebte hielt er selten mit seiner Meinung zu Afghanistan hinterm Berg: „Solange wir Deutschen dort noch gut angesehen sind, große Truppenparade und dann raus da. Nation Building dort ist nicht unsere Aufgabe und ist auch zum Scheitern verurteilt.“ Das ist jetzt auch schon mehr als 10 Jahre her. Zehn Jahre andauernde Verschwendung wider besseren Wissens.
Ich möchte da nicht einmal über die Posse der „Rettungsaktion Evakuierung“ spotten, die erst am Montag starten konnte, weil … naja … Wochenende und so – es fügt sich einfach konsequent in das Gesamtbild ein, was wir dort hinterlassen haben. Es wird für Heiko Maas und Horst Seehofer Zeit zu gehen, auch wenn sie das große Scheitern am Hindukusch nur übernommen haben. Aber ihr Agieren ist höchst unglücklich und letztlich auch schäbig. Möglicherweise ist es jetzt auch einfach nur müßig, auf Politiker einzuschlagen, die ohnehin nach der Bundestagswahl arbeitslos sein werden.
Ach, wer jetzt glaubt, dass nun Tausende Helfer und Helfershelfer (die Begriffsschöpfung „Ortskräfte“ erfolgte ja sehr rasch) der Bundeswehr und anderer staatlicher Stellen nach Deutschland ausgeflogen werden: dafür wäre die letzten Wochen und Monate Zeit gewesen. Wenn man gewollt hätte. Aber hier drängt sich förmlich der Verdacht politischen Kalküls auf. Jetzt werden maximal deutsche Staatsangehörige und engste Mitarbeiter ausgeflogen. Selbst die müssen taktisch so schlau gehandelt haben, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt auf oder am Flughafen Kabul befinden. Wer nicht auf dem Rollfeld ist, wird nicht mehr ausgeflogen. Es sei denn, die Taliban – die nun Kabul kontrollieren – haben ein Interesse daran oder geben ihr okay. Wenn man sich durch die Meinungsäußerungen vornehmlich linker Politiker und Agitatoren arbeitet, zeichnet sich die Forderung nach der Aufnahme aller Afghanen ab, die durch die Taliban-Herrschaft bedroht sein werden oder könnten. Wie stellen sich die ganzen „Gutmenschen“ das überhaupt vor? Nach welchen Kriterien soll die Auswahl erfolgen? Die verschiedenen Bundesministerien geben ja selbst bei den Ortskräften zu, dass sie keine vollumfänglichen Informationen besitzen, wer mal alles für sie gearbeitet hat. Fahren dann Busse durch mittlerweile Feindesland (die Taliban haben den Abzug sämtlicher bewaffneter Soldaten fremder Nationen gefordert) und sammeln Leute ein, die dann zum Kabuler Flughafen gebracht werden?

Jemand auf Twitter stellte die ernstgemeinte Frage, wie man abgesehen von Demonstrationen, Tweets und offenen Briefen auf die Situation reagieren kann. Nun, ein Weg der selten beschritten wird aber deshalb nicht weniger hilfreich ist, wäre die Auseinandersetzung mit der eigenen Ohnmacht. Eine Akzeptanz dafür entwickeln, dass Dinge einfach schieflaufen, dass man verlieren kann. Einen Umgang für banale Dinge finden. So „banale“ Dinge wie Verlust und Niederlage. Und eigenes Fehlverhalten.
Denn jetzt beginnt man wieder in alte Muster und Strukturen zu verfallen. Sollten wir doch nochmal militärisch …? Alles ausfliegen? Drohende Appelle an die Koranschüler richten und sie dann boykottieren, bis wir eine Sprachregelung gefunden haben?
Nein, wenn Schluss ist, ist Schluss. Ein Verbleiben der Bundeswehr nach Abzug der Amerikaner wäre Selbstmord gewesen. Ich kann die Haltung der USA zu Afghanistan verstehen. Ein Staat, der nach einer Generation nur durch Truppenpräsenz am Leben gehalten werden kann, lohnt den Aufwand nicht. Ja, man hat ordentlich Geld und Material reingepumpt (was sich nun die neuen Machthaber unter den Nagel gerissen haben) und sicherlich hier und dort richtige Entwicklungen angestoßen. Oder zumindest solche, die man der eigenen Gesellschaft zur Rechtfertigung des eigenen Tuns vorweisen konnte. Aber am Hindukusch Mädchenschulen zu bauen und Frauen ein Studium zu ermöglichen (so ehrenvoll das sein mag) war nicht unsere Aufgabe. Demokratie, westliche Werte und Verankerung in der Weltgemeinschaft – das sind Dinge, die von Innen kommen müssen. Wenn sie denn überhaupt gewollt sind.

Und da kommen wir zu einem Punkt, über den man unbedingt Tacheles reden muss, bevor man sich in das nächste Abenteuer stürzt: Selbstbetrug und ein nicht klar definierter Auftrag. Selbstbetrug, weil wir regionale Warlords unterstützt und ein korruptes Regime in Kabul unterstützt haben und es nicht sehen wollten. Und als das Geld und die Unterstützung ausblieben, sind genau diese Leute mit wehenden Fahnen zu den Taliban übergelaufen. Dass die Unterstützung und vor allem Sympathie für die Taliban in Afghanistan viel größer ist, als hier behauptet – ist zwar öfter mal angeklungen, wird hier aber immer selbst jetzt noch umgedeutet oder verschwiegen. Dass im ganzen Land und darüber hinaus gejubelt wird? Passiert nicht, sagen die unentwegten Verteidiger der Mission Befriedung.

Der Selbstbetrug setzt sich fort, denn schon Clausewitz wusste: Nichts ist schwerer als der Rückzug aus einer unhaltbaren Position. Und das schließt geistige Postionen mit ein.

Die Wischi-Waschi Zielsetzung des Mandates hat Menschleben gekostet und viele Ressourcen. Vor 20 Jahren ging es einmal darum, Osama Bin Laden zu finden und lokale Al Kaida Strukturen zu zerstören. Das wäre ein klar formulierter und zeitlich begrenzter Auftrag gewesen. Nun hat man feststellen müssen, dass die Situation vor Ort reichlich komplex ist und noch andere Akteure beteiligt sind (Iran, Pakistan und neuerdings China). Aus einer militärischen Vergeltungsaktion wurde die Besetzung eines ganzen Landes und das vorhin erwähnte Nation Building. Beides muss man unter „versucht“ abbuchen, denn abgesehen von den Feldlagern und Festungen hat man keine Kontrolle ausgeübt und die afghanische Republik hatte ja eine außerordentlich kurze Halbwertszeit. Leider hat man sich in das dortige Klein-Klein (zynisch einmal als The Great Game bekannt) hineinziehen lassen. Warum nie wirklich darüber diskutiert wurde, dass über lange Zeit die Zielsetzung den Gegebenheiten vor Ort angepasst wurde, statt umgekehrt, weiß ich nicht. Der Selbstbetrug und das Desinteresse haben sich offensichtlich wie ein Nebel über weite Teile unserer Gesellschaft gelegt. Mandate wurden immer verlängert, Gelder bewilligt. Fehlentwicklungen? Wird schon, braucht einfach Zeit. Exit-Strategie wenn es ernst wird? Rückzug hat seit der Ostfront 1944 einen unangenehmen Beigeschmack. Bloß nicht weiter damit befassen.

Noch ein Punkt kommt hinzu: die Unterschätzung des Gegners und der Situation vor Ort. In der hiesigen Vorstellung sind Taliban oder Gotteskrieger zerzauste, unintelligente Gestalten, die irgendwo in den Bergen leben und nur mit einer Kalaschnikov bewaffnet sind. Diese Fehleinschätzung, zumeist deutscher und anderer westlicher Politiker bezahlen die Menschen zwischen Kundus und Kabul jetzt mit dem Leben. Jeder Kommandeur oder Soldat der westlichen Allianz weiß es inzwischen besser, aber die werden immer erst gehört, wenn es zu spät ist.

Werden wir uns weiter dem Selbstbetrug hingeben und die Hände vor Augen halten? Oder werden wir die Fakten akzeptieren und einen anderen Umgang mit Afghanistan entwickeln?
Russland, das seine Botschaft in Kabul weiterbetreibt und vor allem China machen es vor. Chinesische Delegierte trafen sich bereits mit den Taliban, als sich ihr Sieg abzeichnete und haben Gott weiß was für Verträge geschlossen und Abmachungen vereinbart. Afghanistan ist über ein paar sonnenverbrannte Steinwüsten und Felsen hinaus ein reiches Land. Kupfer, Lithium und Seltene Erden im Wert von Billionen Dollars warten darauf, in chinesischen Fabriken zu Mobiltelefonen und Autobatterien verarbeitet zu werden.
Auch hier wird man sich früher oder später mit den Steinzeit-Islamisten arrangieren. Ja, der Übergang wird nicht glimpflich verlaufen. Es werden Leute einfach verschwinden und andere öffentlichkeitswirksam bestraft. Die Sichtbarkeit von Frauen und Mädchen wird schlagartig auf Null gehen. Aber die Taliban und vor allem die Afghanen wissen genau, dass das Leben weitergehen wird. Alle werden sich anpassen, denn dass Millionen von Afghanen das Land verlassen und Aufnahme finden werden, ist höchst unwahrscheinlich und auch nicht realistisch.

Was das Scheitern in Afghanistan für die gesamte Region bedeutet, ist jetzt noch gar nicht abzusehen. Der Expansionsdrang der frömmlerischen Turbanträger wird nicht an den Grenzen haltmachen. Ich werde wohl nicht ganz falsch liegen, wenn ich als Erstes Pakistan unruhige Zeiten voraussage. Noch glaubt man in pakistanischen Geheimdienstkreisen, dass der Hund mit dem Schwanz wedelt und man die Taliban unter Kontrolle hat. Das haben die USA bei den Mudschaheddin in den 80ern auch einst geglaubt. Wir wissen heute, wohin das geführt hat, auch wenn die USA nicht selbst bedroht waren. Pakistan ist es durchaus.

Schwedt: Dach des Schwimmbades AquariUM eingestürzt

Wie mittlerweile verschiedene Medien berichten (z.B. Spiegel), ist am 11. Juli 2021 in Schwedt (Uckermark) das Dach des Schwimmbades AquariUM eingestürzt. Betroffen ist eine Fläche von 50 x 70 Metern. Personenschäden sind Gottseidank nicht zu beklagen, obwohl sich zum Zeitpunkt des Einsturzes 2 Gastromitarbeiter im Gebäude aufgehalten haben.

Dabei kann man noch von Glück sprechen, dass das Dach jetzt eingestürzt ist, da das Schwimmbad kurz vor der Wiedereröffnung stand. Wäre dieses Unglück im Zuge der Wiedereröffnung am Donnerstag passiert, hätte es durchaus Tote geben können, so ein Polizeisprecher. Das Aquarium wurde in Teilen saniert (angeblich betrafen die entsprechenden Arbeiten nur das Schwimmbecken), wobei noch unklar ist, ob der Dacheinsturz und die Sanierungsarbeiten in einem Zusammenhang stehen. Informierte Stellen sprechen von einem mittleren, einstelligen Millionenschaden. Ermittlungen zum Hergang und den Ursachen wurden eingeleitet und die Neueröffnung des Schwimmbades natürlich verschoben. Auch wenn „nur“ der Bereich des 25-Meter Schwimmbeckens betroffen war, macht es ja keinen Sinn, die Bereiche Spaßbad, Sauna und Fitness zu öffnen. Erstens weiß man nicht, ob auch diese Gebäudebereiche gefährdet sind und zweitens wird nach diesem Ereignis niemand ein Risiko eingehen wollen.

Mittlerweile hat die Kripo wohl Anzeige wegen Baugefährdung gegen Unbekannt gestellt. Das weitere Vorgehen hängt dann wohl von den fortschreitenden Ermittlungen und Erkenntnissen der Behörden ab.

Ein Anwohner will um die Mittagszeit ein verdächtiges Knacken aus dem Gebäude gehört haben, bevor das Dach gegen 15:20 Uhr mit einem großen Knall einstürzte und eine große Staubwolke erzeugte. Einsatzkräfte waren umgehend vor Ort und haben die Schwimmhalle gesichert und abgesperrt.

Auf die Unglücksursache bin ich wirklich gespannt, da das Schwedter Schwimmbad ein relativ junger Neubau ist und ein Schaden dieser Größe aus dem Nichts heraus auch sehr selten auftritt. Für die Stadtwerke Schwedt, als Betreiber, ist das natürlich eine Hiobsbotschaft. Nicht nur sind damit die Renovierungsarbeiten hinfällig sondern auch die dringend benötigten Einnahmen zuzüglich zum Bauschaden.

Das Schwimmbad AquariUM stand vor vielen Jahren bereits im Mittelpunkt einer kontrovers geführten Debatte um die damalige Schließung des altehrwürdigen und sehr beliebten Waldbades Schwedt.
Zum alten Artikel.

Landtagswahl Sachsen Anhalt 2021 – Versuch einer Interpretation

Das war sie nun, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021 und somit letzter Stimmungstest vor der Mutter aller Wahlen – der Bundestagswahl im September. 1.8 Millionen Wahlberechtigte und eine Wahlbeteiligung, die einer demokratischen Überzeugung spottet. Sollte der Ostbeauftragte mit seiner Kritik nicht sogar Recht gehabt haben?
Aber gehen wir die Ergebnisse der

CDU

Wie auch immer das Stimmenplus zustande kam: Respekt dafür. Leader of the Gang. Und das obwohl Maskendeals, Laschet und eine generelle #niewiederCDU Grundstimmung herrschten.
Größtenteils dürfte der Amtsbonus von Reiner „David“ Haselhoff und sein gepflegtes Image als treusorgender Landesvater für ein paar Prozentpunkte mehr gesorgt haben. Ich persönlich finde den Mann ja eher blass, aber bei CDU Wählern weiß man ja sowieso nie so genau, wie die ticken. Dazu ein unausgesprochener Konsens, dass die AfD kleingehalten werden muss, indem man der regierenden Partei seine Stimme gibt.
Wenn jetzt ein Angebot der Brunnenvergifter aus der AfD zwecks „bürgerlicher“ Koalition kommt, kann man aber mal austesten, was die angebliche Geschlossenheit der CDU und das Versprechen einer Brandmauer gegen die AfD wert ist. Gerade das sehen viele Haseloff Kollegen anders als ihr Chef.

AfD

Irgendwas um 20 Prozent reichte dann doch nicht für die Machtergreifung. Ist aber immer noch viel zu viel. Um sich nichts vorzumachen: Unter den 20 Prozent mögen einige Wutwähler dabei sein, aber Sachsen-Anhalt ist nicht nur Osten sondern spezieller Osten. Da wählt ein Großteil aus kackblauer Überzeugung, obwohl es angeblich das Land der Frühaufsteher ist. Mit Protest hat das dann nicht mehr viel zu tun.

Die Linke

Das einstige Alleinstellungsmerkmal der „Stimme des Ostens“ hat man an die, hört hört, AfD und CDU verloren. Das Spitzenpersonal reißt es nicht und die Partei sowie ihre Wähler sind in die Jahre gekommen. Nachwuchs ist nicht in Sicht und Henning-Wellsow ist bundesweit ohne Format. Aus eigener Kraft scheint es der Landesverband in Sachsen-Anhalt aber nicht zu schaffen.

SPD

Eine beängstigende Schrumpfung und am Ende steht das Schicksal einer Splitterpartei. Woran liegt es? Das wüssten die Genossen im Willy Brand Haus auch gern. Für eine Koalition dürften 8 Prozent reichen, aber das ist nichts, worauf man langfristig aufbauen kann. Die Genossen brauchen unbedingt wieder einen Markenkern, wollen sie in der Parteienlandschaft noch wahrgenommen werden.

FDP

Glückwunsch FDP. Wieder mal im Landtag vertreten. Wozu weiß allerdings auch niemand. Vor allem nach der Kemmerich-Nummer in Thüringen vor einem Jahr witzeln die Ersten schon, wann die FDP von CDU und AfD ein gewissen Angebot erhält.

B90 / Grüne

Ergebnis verbessert und dennoch „verloren“. Irgendwas um 6 Prozent kann nicht der Anspruch einer Partei sein, die in den bundesweiten Umfragen knapp auf Platz 2 liegt. Es ist eben der Osten und was auch immer sich die Grünen einreden (lassen): abgesehen von Berlin sind sie im ostdeutschen Land nur eine Randnotiz. Und Berlin ist nicht der Osten. Klima- und Umweltschutz ziehen hier nicht, den Kampf gegen Rechts verbindet man nicht mit den „Ökonazis“ und Baerbocks naives und unprofessionelles Auftreten in den letzten Wochen hat auf die Wählerstimmung abgefärbt.

Alles unter 5 Prozent

Die Basis und wie diese anderen Corona-Schwurbelfritzen alle heißen mögen, kamen nicht zum Zug. Wahrscheinlich hatten ihre angepeilten Wähler mit der Suche nach Impfterminen zu tun. NPD und andere nationale Sozialisten sind zwar weg vom Fenster, haben ihre Stimmen aber eben an die AfD abgegeben. Freie Wähler spielen eher auf kommunaler Ebene eine Rolle.

Und was heißt das nun?

Wenn man in den Bundeszentralen der großen Parteien nur wüsste, wie dieses Ergebnis einzuordnen ist …
Nichtsdestotrotz wird schon einmal gedeutelt und getönt, obwohl jeder weiß, dass sich Sachsen-Anhalt nicht als Blaupause eignet. Es hat sich nur wieder gezeigt, dass die Menschen dort eben – speziell sind (um das mal höflich zu formulieren).
Durch Pandemie und Lockdown sieht man ohnehin alles verschwommen und wie im Nebel. Es war schwer auszumachen, ob es überhaupt Themen gab, die die Menschen umtreiben und wenn ja, wie stark diese mit Parteien in Verbindung gebracht wurden. Schon dass man der CDU eine Kümmererrolle für Ostbelange zuschreibt, spricht verstörende Bände. Dachte man doch eher, das schwarze Personal kümmere sich hauptsächlich um einträgliche Maskendeals.
Kann sich Armin Laschet nun beruhigter fühlen, weil die CDU das Siegen nicht verlernt hat? Weil ein ähnlich farbloser Ministerpräsident wie er zur Integrationsfigur taugt?
Freut sich Herr Söder in Bayern für die Schwesterpartei?
Ist auch bei der Bundestagswahl ein vergleichbares Ergebnis für die AfD drin?
Ist der grüne Annalena Zug nun entgleist, wie Friedrich Merz (kann den bitte mal jemand abschalten?) frohlockte?
Dürfen die Freien Liberalen wieder träumen? Von geplatzten Koalitionsverhandlungen, weil man lieber wieder nicht regieren will?
Beißen sich die Linken in den Arsch, weil sie Sarah Wagenknecht hätten haben können, aber stattdessen Henning-Wellsow und Wissler auf Geisterfahrt schickten?

Fragen auf die es vielleicht in etwas mehr als 100 Tagen Antworten geben wird.

GNTM 2021 Finale: The Winner is Heidi Klum

Wer hat jetzt gewonnen?

Heidi Klum und Pro Sieben

In dieser Show ging es noch nie um irgendwelche Models, die Modewelt an sich oder irgendwelche gesellschaftlichen Belange, sondern immer nur um die Vorstandsvorsitzende der Klum AG. Das war auch in dieser finalen GNTM Ausgabe so, nur dass es durch die Corona-Sparmaßnahmen nicht ganz so offensichtlich war.

Wehe, wenn man in der Sendezentrale von Pro 7, dass man auch mit einer Lite-Version von GNTM (nur Berlin, wenige Castings, statt Weltstars nur Tokio Hotel) dieselbe Aufmerksamkeit erzeugen und für die Corona-Zeit relativ gute Quoten einfahren kann.

Tokio Hotel

Oh Boy, that ship has left the port for so long now.

Soviel Sendezeit bei so wenig musikalischer Relevanz. Einen Live-Video-Dreh bekommen, Auftrittsgage kassieren und wertvolle Werbeminuten zur besten Sendezeit generieren. Schon der europäische Adel wusste, wie wichtig eine ausgeklügelte Heiratspolitik war.

Alex Mariah Peter

Tatsächlich wurde auch eine Siegerin gekürt. Wahrscheinlich sogar zurecht, wer weiß das schon? Letztlich muss dass die Modewelt entscheiden. Falls die das überhaupt interessiert, denn GNTM wird nicht veranstaltet, um ein Topmodel zu finden. Wie immer sind Quoten und Werbekunden ausschlaggebend. Ihr lieben wohlwollenden „Kritiker“: ich unterstelle Frau Klum einfach, dass ihr die Siegerin völlig wurscht ist. Ebenso wurscht ist ihr, ob es eine Transgender, eine Mollige (euphemistisch: curvy), eine Migrantin oder eine Zu-Kurz-Gewachsene ist, solange es unter dem Diversity Hype läuft. Wie so oft in Deutschland fährt dieser Hype-Train mit ziemlich viel Verspätung ein. Aber, geschenkt.

Ein Topmodel muss professionell sein, gut performen und vor allem bei den Kunden gut ankommen und gebucht werden? Ja warum zur Hölle hat dann nicht Soulin Omar gewonnen, sondern ist auf Platz 3 gelandet? Schon erstaunlich, in welche Richtung Heidi Klum diese Sendung steuert.

Und die Anderen?

Wie Soulin durchklingen ließ, hat sie wohl schon Kunden an der Hand. Gratulation.
Auch Alex wird ihren Weg gehen. Leider mit der Hypothek, dass ihrem Sieg nun der „Transgender-Bonus-weil-Diversity-Motto“ Makel anhaftet.

Das Problem mit solchen völlig überhöhten Statement-Absetzen Veranstaltungen ist, dass eben nur Eine Germanys next Topmodel werden kann und man mindestens 2 (manchmal 3) andere vor den Kopf stößt. Erste „aber Black Lifes matter“ Empörungen waren schon bei Twitter zu lesen. Nun ja. Eine der zwei verbliebenen Schwarzen hat die Klum auf der Zielgeraden gekickt und die Andere hat bedauerlicherweise von selbst die Segel gestrichen. Konnte ja keiner ahnen. Dumm, wenn man erst kurz vor dem Finale merkt, dass einem die mehrmonatige Teilnahme an so einem Format doch nicht so liegt. Ist ja auch erst die 16. Staffel. Als Nebeneffekt hat man auch eine Migrantin, eine Kurvige und eine Kleingewachsene vor den Kopf gestoßen. Was waren das noch für Zeiten, als man durch Leistung überzeugen musste.

Aber keine Sorge: Dascha werden wir wiedersehen. In der Modelwelt? Ich glaube nicht. Dschungelcamp oder eigene Comedyshow? Schon eher. Die Frau hat das nötige Sendungsbewusstsein.

Romina Palms wird ihre hinzugewonnenen Follower dazu nutzen, ihre Influencer Karriere voranzutreiben und lukrativere Werbeverträge und Kampagnen an Land zu ziehen. Warum auch nicht? Klum hat ihre Bekanntheit genutzt und jetzt nutzt sie den GNTM Ruhm.
Sie ist auch die, die ich im Laufe der Show immer mehr gemocht habe, trotz ihrer eingestreuten „ich bin so klein, ich hab es so schwer“ Jammereien. Dass sie auf den wir-heiraten-live-im-Finale Akt verzichtet hat, rechne ich ihr und ja, auch ihrem Mozarella-Macker, hoch an.

Unternehmen hässliches Entlein

Es gibt da ein hartnäckiges GNTM Märchen, mit dem wir aufräumen sollten: diese Vorstellung, dass Heidi Klum auf die Normalsterblichen niederkommt und eine unbeleckte Unschuld vom Land als das Top-Talent entdeckt. Sozusagen vom Bauernhof direkt auf den Laufsteg. Gestern noch der Kühe melkende Bauerntrampel und heute die Sensation bei Chanel. Diese Geschichte vom hässlichen Entlein, das sich unter Klums Führung zum wunderschönen Schwan entwickelt, aber noch nie zuvor geradeaus gelaufen ist – die ist einfach nicht wahr. So läuft das nicht mehr. Fast alle Kandidatinnen haben mittlerweile Erfahrungen gesammelt. Sei es über einen eigenen Instagram Auftritt, Youtube Kanal oder Modelerfahrung. Zur Not sind sie einfach mit diesem oder jenem Z-Promi „bekannt“. Auch Romina war keine Unbekannte, sonst wäre sie wohl nicht in die Endrunde gelangt. Denn 1.68 Meter sind kein Gardemaß für ein Model. Und nein, nicht jeder Modelfloh ist automatisch eine Kate Moss. Nur Kate Moss ist eben Kate Moss.

War sonst noch was?

Ansonsten bin ich froh, dass dieses Mal keine TV Legende wie Thomas Gottschalk gedemütigt wurde, es zu keiner Hochzeit unter Beteiligung eines Murmeltiers kam und auch keine fremdschamigen Auftritte, wo irgendwelche Botschaften auf Plakaten vermittelt wurden, über den TV flimmerten.

Natürlich hat man ein paar Sachen vermisst.

Der Top 20 Walk wurde aus Sicherheitsgründen kurzerhand abgeblasen.
Den völlig überhypten „Personality Award“ hat man wohl an Liliana verliehen, aber uns dies nicht mehr gezeigt. Ich weiß aber auch nicht, was man mit dieser Auszeichnung so sinnvolles anstellt. Ich meine, welcher zukünftige Arbeitgeber lässt sich davon beeindrucken?
Fan Liebling Mareike (warum eigentlich?) durfte mit einer merkwürdigen Frisur auf dem Kopf den leeren Backstagebereich abmoderieren und wusste: am Ende kackt die Ente. Also wenn da nicht die taff Moderation ruft.
Statt ansatzweise Weltstars kam eben Magdeburgs größter Exportschlager zum Zug. Sie schaffen es tatsächlich, den alten The Who’s Hit „Behind Blue Eyes“ wie einen im Halbfinale gescheiterten ESC Beitrag klingen zu lassen. Bill Kaulitz sieht nun endgültig aus wie der verlorene Sohn von Bert Wollersheim. Nur gut, dass The Who nicht wissen, wer Tokio Hotel sind und das auch nie erfahren werden.

Jetzt dauert es aber wieder 8 lange Monate, bis es endlich wieder losgeht.

In epidemischen Zeiten

Leute, vor 20-25 Jahren habt ihr es entschieden: ausufernder Konsum basierend auf global dahingaloppierender Marktwirtschaft. Ungehemmter Austausch von Menschen und Material. Die persönliche Sinnsuche im indischen Jogi-Schrein und Schnorcheln am Roten Meer. Bio-Knoblauch aus China und Familienzusammenführungen in Lateinamerika. Es muss doch allen klar gewesen sein, dass das keine Einbahnstraße ist. Nur die Vorteile mitnehmen und die Nachteile ausklammern – das funktioniert eben nicht.
Wer sich bis zur Oberkannte Unterlippe diesem System verschrieben hat, fürchtet jetzt natürlich rigide Maßnahmen und kann daher auch keinen Quarantänen für ganze Städte, Reisebeschränkungen oder Absagen von Veranstaltungen zustimmen. Ich habe den Namen nicht mehr parat, aber der Chef eines Tourismuswirtschaftsverbandes hat angemahnt, dass doch bitte das Geschäft am Laufen gehalten werden soll. Ein paar Erkrankte und Tote dürften nicht das Wirtschaften gefährden. Was wäre erstmal los, wenn das Wirtschaftswachstum sich abschwächt oder sogar ins Negative verkehrt? Diese Denkweise ist gleichzeitig konsequent und bitter.
Herr Spahn sagt, sein Ministerium und er sehen keinen Sinn darin, ganze Städte abzuriegeln und das „öffentliche Leben lahmzulegen“. Dass die Chinesen durch genau dieses Vorgehen uns Zeit erkauft haben (die wir hätten besser nutzen können), wird nicht erwähnt oder wenn, dann in Abrede gestellt. Dabei geht es nur um eins: solange wie möglich das System am Laufen zu halten, Kapital und Waren umzusetzen. Noch schnell den letzten Euro mitnehmen. Wofür eigentlich? Der Autor Micky Beisenherz hat das in einem Twitter-Tweet sehr gut auf den Punkt gebracht. Solange in Deutschland keine Fußball-Bundesliga-Spiele abgesagt werden, herrscht hier der Normalfall. Absagen der Karnevalsveranstaltungen wie in Venedig? Niemals. Jetzt sucht man die 300 Teilnehmer einer Sitzung und deren x Kontakte, weil man ja nicht ahnen konnte, dass sich ein Virusträger auf dem Karneval herumtreibt. Lassen sie sich diese Begründung noch einmal durch den Kopf gehen.
Harald Schmidt hat nach dem 11. September 2001 gesagt, wie beruhigend es doch auch gewesen sei, dass diese ganze Medienmaschine nach dem Anschlag auf das World Trade Center (die Älteren erinnern sich) für zwei Wochen in die Zwangspause gegangen ist. Man könne aber auch nicht immer gleich zwei Wolkenkratzer dafür in Asche legen. Wie wahr, wie wahr.

Ganz ehrlich, etwaige Unterbrechungen von Lieferketten interessieren mich nur, wenn sie Lebenswichtiges betreffen. Beispielsweise Medikamente (da habe ich den Engpass schon erfahren dürfen, da die Wirkstoffe dafür in Zentralchina hergestellt werden). Ob darunter auch Autoteile oder Klamotten fallen, muss jeder mit seiner eigenen Prioritätenliste abklären. Wie verlautbart wurde, verzögert sich nun auch die Einführung des neuesten iphone Modells. Dass das eine Topmeldung ist, drückt den herrschenden Zeitgeist treffend aus.
Früher war Berlin (als es noch Frontstadt war) stolz auf seine „Senatsreserve“. Da wirkte noch die Berlinblockade 1948/49 nach. Fragen sie heute mal einen Logistikmanager über Lagerhaltung. Das ist schon seit Jahren nicht mehr „in“. Die ganzen Großlager von einst befinden sich heute auf Containerschiffen und in LKWs auf der Straße. Mittlerweile sind Desinfektionsmittel in deutschen Apotheken und Drogerien Mangelware, auf Amazon und Ebay tummeln sich die Kriegsgewinnler (so nannte man das früher) und rufen für Atemschutzmasken Wucherpreise auf. So sieht die „gute Vorbereitung“ in Deutschland aus. Es ist nicht so, dass die Verantwortlichen die Situation nicht kennen – es wird einfach nur gepokert und gehofft, dass man mit diesem Bluff oder der Selbsttäuschung irgendwie durchkommt. Bei den Chinesen wundert mich das nicht, insgesamt zählt da ein Menschenleben nicht viel. Die Ware Mensch ist im Überfluss vorhanden und problematisch wird es nur, wenn das Wirtschaftswachstum oder die Macht der Volkspartei in Gefahr gerät. Dass wir hier so offensichtliche Anzeichen derselben Vogel-Strauß-Taktik und Leck-mich-Mentalität erleben, überrascht mich zumindest in dem Maße ihrer Zurschaustellung.

Ich muss auch was gestehen: ich bin kein Experte in dem Bereich. allerhöchstens Hobby-Virologe und geschichtlich an dem Thema interessiert. Die Maßnahmen und Methoden, mit denen man jetzt auf die Epidemie – und es ist hier völlig unerheblich, ob man jetzt Pandemie sagen darf/sollte oder nicht – reagiert, wurden schon im ach so dunklen und rückständigen Mittelalter erfunden und erprobt. Das einzige Problem der damit befassten Menschen war ihr unzureichender Wissensstand über Viren und Übertragungswege an sich beziehungsweise ihre eingeschränkten Möglichkeiten des Machbaren. Schnelles Temperaturmessen durch einen massenhaft verfügbaren Scanner? Labortest durch Rachenabstrich? Mal eben das Rattenproblem in den Städten lösen? Unmöglich. Und dennoch haben sie die Zusammenhänge gesehen und mit Quarantänen, Isolierungen und Unterbrechungen der Handels- und Warenströme zu reagieren versucht. Seit 650 Jahren haben wir das Besteck an Maßnahmen nur graduell weiterentwickelt, nicht unbedingt strukturell. Vor allem nach SARS 2002/2003 hätte ich gedacht, dass wir weiter sind. Vor allem im Zusammenwirken über Ländergrenzen hinweg, wo wir doch die großartige EU haben. Während man hier irritiert ist, dass auch Italien zum Mittel der großflächigen Abschottung greift, begrüßt die WHO genau dieses Vorgehen. Während ein Bahn-ICE an der österreichischen Grenze aufgrund von Verdachtsfällen gestoppt wird, fährt der Flixbus munter weiter. Merke: auch Viren haben ihren Stolz und reisen nur per Zug.
In Singapur oder Japan klappt es doch auch. Vorbildliche Rundumversorgung und Information in Singapur, flexible Arbeitszeitenregelung in Japan. Und Deutschland? Zu schwerfällig, zu bürokratisch, einfach zu satt. Als die Chinesen zwei Spezialkrankenhäuser mit einer Bettenkapazität von 2.300 in nur wenigen Tagen errichteten, taten sich hier nur die üblichen Bedenkenträger hervor und fragten hämisch nach Umweltschutz, Baugenehmigung und Mindestlohn bzw. Sinnhaftigkeit einer solchen Virenbrutstätte. Als ob diese aus der Not geborenen Gebäude einem typischen chinesischen Klinikbau entsprechen würden. Dass in Wuhan einfach nur die Kacke am Dampfen war, für soviel Einsicht und Empathie reichte es in Deutschland nicht. Manchmal schämt man sich für diesen Haufen von degenerierten Dumpfbacken und Besserwissern hier.
Was hat man sich mokiert, als es nach dem verheerenden Hurrikan Katrina in New Orleans zu Plünderungen ein Einbrüchen kam. Typisch, dieser Neger. Wie planvoll und überlegt die heimische Bevölkerung handelt, sieht man ja in den Regalen der Lebensmitteldiscounter und Drogerien.

Und bitte, lasst dieses Politiker-Bashing. Wenn wir uns schon ehrlich miteinander machen, gehört auch diese Wahrheit dazu: jedes Land wird von den Politikern regiert, die es verdient (die 5 € klingeln gerade im Phrasenschwein). Außerdem sind sie nur das nach Außen sichtbare Symptom des Zustandes unserer Gesellschaft. Hattet ihr denn vor Corona und Co. ein Problem mit der Globalisierung? Habt ihr auch immer schön in die Armbeuge geniest und nach dem Klogang die Hände gewaschen? Bei den Streiks gegen Budgetkürzungen von Krankenhauspersonal und/oder Ärzten – wart ihr da auf der unterstützenden oder auf darüber schimpfenden Seite?

Was uns Thüringen lehrt

Updates über Updates.
Mittlerweile müsste ich diesen Beitrag zu einem Liveblog machen, denn es ändert sich stündlich etwas.

Mittlerweile ist ausgehend von der Thüringer Ministerpräsidentenwahl diese Demokratieposse zu einer Zerreißprobe und Machtkampf innerhalb der CDU geworden. Die Gelegenheitsvorsitzende Annegret Kramp Karrenbauer hat heute am 10. Februar ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur erklärt. Und weil es ein Unions-Dogma ist, dass Kanzlerschaft und CDU Vorsitz in einer Hand sein sollen, hat sie damit auch als CDU Vorsitzende abgedankt.

Herr Merz („zufällig“ aber ungemein rechtzeitig von seinem Arbeitgeber Blackrock freigestellt) würde sicher nicht nein sagen, wenn man es ihm anböte. Auch ein Herr Spahn hat da angeblich Ambitionen und Herr Laschet kann sicherlich in seiner Eigenschaft als amtierender Ministerpräsident als gesetzt gelten. Wer auch immer seinen Hut in den Ring wirft – Voraussetzung wird sein, dass Frau Merkel als Kanzlerin abtritt. Nach AKK wird nicht nochmal jemand freiwillig CDU Dompteur unter ihr sein. Das wird alles noch sehr aufregend.

Was vor allem aufregend, aber eher im ungemütlichen Sinne, werden wird: die CDU gibt zwar vor, eine Einheit auf konservativer Basis zu sein – defacto wird diese Partei von tiefen Gräben durchzogen. Und wir reden da nicht von den eher unbedeutenden, weil kleineren, Ost-Verbänden. Wir haben uns viel zu viel von den halbherzigen Bekenntnissen und Parteitagsbeschlüssen hinsichtlich der AfD einlullen lassen. Die Sympathien und Kooperationsgelüste mit der „Fliegenschiss-Partei“ Gaulands und Höckes sind bei der Union weitaus größer als man uns erzählen wollte. Ja, Frau Kramp-Karrenbauer ist auch zurückgetreten, weil sie nie sonderlich durch „Führungsstärke“ auffiel (wie immer man das auch definieren möchte), aber eben nur auch. Vielmehr ist es aber auch so, dass es selbst im Präsidium keine einhellige Überzeugung im Umgang mit der Konkurrenz auf der blaubraunen Seite gibt. Aus diesem Grund wird das durch AKK’s Rücktritt offengelegte Mißverhältnis zwischen Parteiführung und Basis in eine Zerreißprobe übergehen.

Und hier reichte es dann tatsächlich aus, dass sich ein kleiner Landesverband mit einem ehrgeizigen und von der Macht besessenen Vorsitzenden Mike Mohring nicht den Anweisungen aus Berlin beugte. Der Konflikt bei den Schwarzen schwelt ja bereits seit dem „Wir schaffen das“ Sommer 2015 und die Konsensdecke dahingehend war dünn, sehr dünn. Es lag auch nicht an den ostdeutschen Besonderheiten und oder der idiotischen nicht-mit-links-aber-auch-nicht-mit-rechts Vorgabe, an die sich Mohring letztlich nur zur Hälfte hielt. Die Zeit ist wohl einfach reif, dass die CDU erkennen muss, dass sie mit den Demokratieverächtern von der AfD inhaltlich mehr gemein hat, als ihr lieb sein kann. Und es muss wohl jetzt entschieden werden, ob aus dieser Erkenntnis Taten folgen.

Nach der Wahl von Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsideten (mit den Stimmen der AfD) gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten der Interpretation:

  • Es ist alles ein großer bedauerlicher Zufall und oder Irrtum
  • oder es ist alles geplant und abgesprochen gewesen. Bis in höchste Stellen der jeweiligen Bundespartei.

Trifft Punkt 1 zu, ist das nur als Ausdruck strunzdoofer Naivität zu werten. Trifft Punkt 2 zu, ist das einfach nur ein Beleg für die moralische Verkommenheit in Teilen des Politikbetriebes. Erst kommt die Macht, dann die Moral. Erst Geltungsanspruch und Machtspielchen, dann Gehirnbeanspruchung. Könnte man den Leuten nicht einfach kiloweise Viagra oder eine allwöchentliche Talkshow spendieren, damit deren Triebe anderweitig befriedigt werden und so etwas nicht passiert? Käme auf die Dauer doch günstiger.

Auch bei den möglichen Auswegen aus dieser Krise stehen wir bei der Zahl 2:

  • Der Landtag löst sich auf und es werden Neuwahlen angesetzt. Mit den entsprechenden Ergebnissen …
  • CDU und FDP vollziehen endlich den längst fälligen Schritt und kooperieren mit der AfD, bevor man das Wort „Brandmauer“ noch mehr beschädigt.

CDU, FDP und AfD haben schon klargestellt, dass es mit ihnen keine Neuwahlen geben wird. Damit ist der gewählte Ministerpräsident nicht regierungsfähig, da es für FDP, CDU, SPD und Grüne zusammen nicht reicht. SPD und Grüne haben bereits geäußert, dass sie als Stimmenbeschaffer eines Ministerpräsidenten von Höckes Gnaden nicht zu haben sind. Somit bliebe nur noch das Schielen auf die Stimmen der AfD.
Würde es Neuwahlen geben (ob nun mit oder ohne das aktuelle Spitzenpersonal), würden sich die Machtverhältnisse fundamental verschieben. Die FDP würde mit Sicherheit pulverisiert werden und nicht mehr dem Landtag angehören, die AfD zur stärksten Kraft werden. Das alles wäre auch eine Konsequenz dieser unseligen Wahl vom 5. Februar und hätte so nicht passieren dürfen.

Was mich erstaunlicherweise aber nicht mehr überrascht: Die Verlogenheit und Scheinheiligkeit, mit der dieser Vorgang heruntergespielt und kommentiert wird. Lindner laviert und druckst, Kubicki ist seit längerem nicht mehr auf diesem Planeten anwesend und AKK ist ein jämmerliches Häufchen Machtlosigkeit. Herr Ramelow hat sich gewaltig verzockt und steht nun vor einem Scherbenhaufen, was einmal seine Karriere war. Die CDU Thüringen hat ihrer ganz speziellen Ansicht nach sowieso alles richtig gemacht und sieht angedrohten Parteiausschlüssen aus der Bundesparteizentrale lachend entgegen. So einen schwachen Vorsitzenden wie Mike Mohring hat man bei dieser Partei lange nicht erlebt. Da hat jemand das Wahlergebnis aus der Landtagswahl 2019 nicht verkraftet. Erst lässt er sich in Berlin hinsichtlich seiner dunkelrot-schwarzen Koalitionsphantasien wieder auf Linie bringen, dann von den blaubraunen Kollegen am Nasenring durch die Manege ziehen, nu um vielleicht noch irgendeinen Ministerposten zu bekleiden. Es hat immer alles diesen Beigeschmack von „eins auswischen“. Wohlgemerkt, diese Kritik ist nur dann gültig, wenn das nicht alles mit den Parteifreunden in Berlin abgestimmt war.

Es gibt jetzt die Möglichkeit, dass man Thüringen zum Versuchslabor erklärt. Schwarz-Blau-Gelb ist eh weniger auseinander, als die Damen und Herren immer behaupten. Falls das für jemanden ein Geschmäckle hat, könnte man auf die verschwindend geringe Größe und Bedeutung Thüringens verweisen und sagen, dass das nicht repräsentativ für die Bundesrepublik wäre und die wählende Bevölkerung zu über 20% ohnehin keine Berührungsängste zur Höcke-Partei hätte.

Wie aber ein Vorsitzender einer Splitterpartei, die um 73 absolute Stimmen fast nicht ins Parlament gekommen wäre, von der „Erfüllung des Wählerwillens“ faselt – ist mir unter Ausklammerung von Alkohol und Drogen unverständlich. Aber für Christian Hirte beispielsweise, dem Ostbeauftragten (!) der Bundesregierung, liegt ja auch die „Mitte“ bei 5 %. Da schämt man sich dann aber doch fast ein wenig.

Work-Life-Balance und so

Noch keine Gesellschaft vor uns, zu keiner Zeit in der Geschichte der menschlichen Hochkultur war bis zum heutigen Tage so produktiv, so automatisiert und mit so vielen Erleichterungen für das Leben ausgestattet wie die, in der wir leben.

Und dennoch haben die Menschen in dieser Gesellschaft so wenig Zeit für sich selbst. Und dabei ist der Output an Stress und Verpflichtungen genauso hoch wie der Output an hergestellten Waren und Dienstleistungen.
Trotz des ganzen Fortschritts häufen Arbeitnehmer Überstunden um Überstunden an und können ihren Urlaub nur zu ganz bestimmten Zeitfenstern nehmen und das in Absprache mit ihren Kollegen. Das variiert natürlich je nach Berufsgruppe, aber die Tendenz ist bei allen so ziemlich gleich.

Das Erstaunliche ist: wenn dann mal wirklich etwas Zeit am Stück „über ist“, dann gibt es nicht wenige Menschen, die dann ein Gefühl der Langeweile fürchten und daraufhin diese Zeit in Hektik mit etwas zu füllen versuchen.