Die Hühner auf dem Dorfe

Wie ich von der Rezension eines Gartenratgebers zu den Hühnern auf dem Dorfe kam. Eine kleine Reise in die Vergangenheit.

Ich habe in dieser Woche für eine meiner Webseiten eine Rezension zu einem Gartenratgeber verfasst: Das Hühnerbuch. Handbuch zur Haltung glücklicher Hühner.

Auf den ersten Blick sicher ein eigenartiges Handbuch für den Garten. Hühner verbindet man heute nicht mehr mit einer kleinen Parzelle. Ich war auch erst etwas skeptisch, bevor ich mich dem Verlag gegenüber bereit erklärt habe, das Buch zu rezensieren. Aber weil mich das Thema sehr an die Kindheit auf dem Dorfe erinnerte, habe ich es dann getan – auch wenn ich die Erinnerungen nicht in aller Ausführlichkeit in der Buchkritik unterbringen konnte. Es ist und bleibt eine Publikationsvorstellung. Daher möchte ich hier einige Gedanken niederlegen. Es sind meine Gedanken, gespeist aus den nun langsam aber sicher verblassenden Erinnerungen eines kleinen Steppkes.

Wenn ich heute so durch die verbliebenen Dörfer fahre (also die Dörfer-Dörfer und nicht die von den Städten aufgesaugten wir-spielen-Landleben-Schlafstätten), dann fällt mir sofort der optische und akustische Unterschied zu den späten 70er und 80er Jahren auf: Keine Hühner. Weder sieht man heute das Federvieh über die Straße laufen oder am Wegesrand, noch hört man Hähne krähen oder die Hennen gackern und glucksen.
Dabei gehörten Hühner zum Land wie Senf zur Bratwurst. Fast jeder mit eigenem Grundstück hielt Hühner. Die wurden morgens aus dem Stall gelassen, durften auf dem Hof scharren, picken, im Sand baden, sich in den Sträuchern verstecken und abends wurden sie wieder in den Stall getrieben – denn der Fuchs ging um. Mit den Hühnern ins Bett gehen, das kam nicht von ungefähr, war doch das Hof-Festmachen meistens die letzte Amtshandlung fürs Draußensein. Zwischendrin sah man in den Gelegen nach frischen Eiern und lieferte die bei der Eier-Annahmestelle ab. Sofern man sie nicht selbst benötigte oder an Familie bzw. Freunde und Bekannte weiterreichte. Gefüttert wurde hauptsächlich mit Getreide aus der großen Getreidebox und was sonst noch so anfiel. Wir haben zum Beispiel bemerkt, dass die Hühner sehr auf die vom Dorfteich abgefischte Entengrütze (auch Entenflott genannt) abfuhren. Ich kann mich noch erinnern, dass ein Hahn ein massives Problem mit mit gehabt haben muss. Vielleicht war ich 4 oder 5 Jahre alt. Jedenfalls war sein Schicksal daraufhin besiegelt und er endete auf dem Hackklotz. Ein wahrhaft kurzer Prozess.
Bei der Beschäftigung mit der Literatur zum Thema erhält man den Eindruck, als ob hier altes Wissen verloren ging und wieder aufgebaut werden muss. Dabei würde ich behaupten, dass zum Beispiel meine Großeltern und ihre Hühnerhaltenden Bekannten auch nicht viel mehr über die Sachen wussten, als sie wissen brauchten. Ob sie jede Hühnerspezifische Krankheit und ihre Symptome kannten, wage ich jetzt einfach zu bezweifeln. Auch die Abmessungen eines Hühnerstalls oder des Schlupflochs sowie die prozentualle Zusammensetzung des Futters möchte ich jetzt nicht nachträglich in ihrem Wissensschatz verorten. Es wurde so gemacht, dass es funktionierte. Nicht mehr, nicht weniger. Vogelgrippe oder Dioxin waren kein Thema. Wenn ein Huhn in den Nachbargarten oder auf die Straße entwischte, wurde es wieder eingefangen – ohne, dass man mit dem Anwalt der „Gegenseite“ Bekanntschaft machte.
Heute ist alles so schwer geworden. Das Dorf wie wir es einst kannten, mutiert immer mehr zur ausgelagerten Schlafstatt sich wichtig nehmender Städter. Selten ist ein Grundstück heute noch dafür geeignet, Hühner oder anderes Kleinvieh darauf zu halten. Wer hat da noch Zeit für so ein Hobby? Und Lust?
Mir ist bewusst, dass selbst wenn der Trend irgendwo erfolgreich wäre und hier und da jemand wieder Hühner hält – es nichts an der allgemeinen Struktur ändert. Der überwältigende Teil der aus dem Huhn gewonnenen Erzeugnisse (rohe Eier – weitaus bedeutender: Trockenei, Suppenhuhn und Masthähnchen) wird immer noch durch die Massentierhaltung erzeugt. Die Verantwortung geben wir jedes Mal im Austausch mit dem Kassenbon an anonyme Erzeuger ab. Die werden schon alles richtig machen. Und letzten Endes sieht man dem Frühstückei oder der Hühnersuppe auch nicht an, ob das Huhn ein „glückliches“ Leben führte oder nicht. Problem gelöst.
Es ist nicht nur dieses Verschwinden eines Teiles ruraler Identität, der einen betrübt. Es ist vor allem diese zunehmende Abkoppelung der Menschen von ihrer sie ernährenden Umwelt. Mit dem Federvieh kommt doch heute über das kross gebratene Hühnerbrustfilet beim Vietnamesen hinaus keiner mehr in Kontakt. Frisch geschlüpfte Küken (bevor sie im Schredder landen) unter der Wärmelampe – was wäre das für ein Kindererlebnis!
Wie gesagt, früher nahm ich das alles für gegeben hin; ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, warum es so ist und dass es einmal nicht mehr so sein könnte. Umso irritierter bin ich, dass jetzt diese Welle von Ratgebern aufploppt, als gelte es hier seit Jahrhunderten verlorenem Wissen zu einer Renaissance zu verhelfen. Es ist also auch ein Gefühl des Alt Werdens.

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