Eine kleine Notiz an Heidi Klum

Liebe Heidi Klum,

 

vor ein paar Jahren noch habe ich Deine Show „Germanys next Topmodel“ sogar per Blog begleitet.

Schon damals war die Sendung so durchsichtig wie unterhaltsam. Das hat sich bis heute nicht geändert. Gut, Du hast Dich von Deinen letzten Stichwortgebern (euphemistisch „Jury“ genannt) und dem Maybelline-Boris getrennt – aber im Großen und Ganzen bist Du dem Konzept treu geblieben. Einen Menschenzoo vorführen und nebenbei ein „Topmodel“ suchen, nach dem keiner gefragt hat. Es ist nicht so, dass die Branche auf das Resultat Deiner jährlichen Suche dringend angewiesen ist. Die Agentur Deines Vaters schon eher.

Nehmen wir einmal nur diese Jasmin (die sich selbst als >Joy“ betitelt – soviel Ironie muss man erst einmal haben). Der einzige Grund, weshalb die mit durchgeschleift wird, liegt in ihrem Unterhaltungswert für die Twitter- und Facebook Zyniker. Eine Ghetto-Göre ist immer dabei. Anhand dessen, wie diese „Joy“ sich präsentiert, ist sie unreif, sozial inkompatibel und bei aller „Schönheit“ (die ja bekanntlich im Auge des Betrachters liegt) nicht für das professionelle Model-Dasein geeignet. Oder wer weiß, vielleicht zeichnen ein Topmodel ja genau diese Eigenschaften aus: Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit, Unaufmerksamkeit …
Auch einer Naomi Campbell hat man ja eine gewisse Zickigkeit nachgesagt. Aber bis man oder frau auch nur annähernd in die Nähe des Superstardom einer Naomi Campbell gelangt, heißt es für Dich als ungelernte Modelfachkraft: Ich bin nur ein kleines Licht.

Aber Jasmins Konfrontationspotential scheint unermesslich und Pro7 könnte ganze Folgen der Show nur mit den Eskapaden dieses Mädchens füllen. Ich will nicht einmal ausschließen, dass sie es bis ins Finale schafft und Heidi uns diese Erfolgsstory als Wandlung vom (innerlich) hässlichen Entleins zum wunderschönen Schwan verkaufen wird.

Und selbst wenn das nicht so passieren sollte, werden wir statt Catwalktraining und interessanten Shootings eher mit dem nicht sonderlich entwickelten Sozialverhalten einiger Damen aus der Runde beschallt werden. Wenn die Auffälligen ihre Schuldigkeit getan haben – tschüss. Kein Photo für Dich. Das Dschungelcamp wartet mit einer lohnenswerten Anschlussverwendung.

Vor allem, liebe Heidi – das Bild, was Du aus der Branche vermittelst (wahrscheinlich, damit der Bewerbungsstrom zu Deiner Show nicht abreißt) geht nun völlig an der Realität des Berufslebens vorbei. Es gibt nur ein Kriterium: Entweder wollen die Designer Dich auf dem Laufsteg in ihren Kreationen sehen oder nicht. Entweder Du schaffst es in professioneller Zusammenarbeit mit dem gesamten Set-Team, herausragende Photos in jedem Fummel und an jeder Location aus Dir herauszuholen oder eben nicht. Deine traurige Kindheitsgeschichte oder Deine Marotten (die uns dann als das angeblich gesuchte Diversity verkauft werden) interessieren einfach nicht. Diversity an sich ist kein Wert. Entweder hast Du den gesuchten Look und weißt ihn gewinnbringend einzusetzen oder aber nicht. It’s simple as that.

Bei Heidi sieht das dann so aus: Models sind der Meinung, dass sie sich besser zurechtmachen können als die Schminkprofis. Models entscheiden selbst, was sie sich zur Modenschau anziehen – und niemand zieht ihnen diesen Zahn! Models sind der Meinung, dass hübsch sein ausreicht. Der Photograph drückt einfach nur auf den Auslöser der Kamera und schon ist das Vogue Cover im Kasten. Danach gibt’s Schampus. Und wieder zieht ihnen niemand diesen Zahn. Models bei Heidi sind der Meinung, dass der für viel Geld engagierte Profi-Photograph halt mal Rücksicht nehmen muss, wenn ich mich gerade nicht konzentrieren will. Dann muss der halt an einem anderen Tag wiederkommen! Und wieder zieht ihnen niemand diesen Zahn.
Nein, der „Mut“ sich als Model einmal die Haare abschneiden zu lassen, ist keine besondere Qualifikation oder hervorzuhebende Eigenschaft. Da kann man am Ende eines Runways noch so viele Spiegel aufstellen und auswendig gelernte Texte hineinsprechen. Das hat einfach mit der Realität nichts zu tun. Eine Fashion-Show ist eine Verkaufs- bzw. Präsentationsmesse. Da ist für so einen Kinkerlitz einfach keine Zeit.

Und weil diesen verzogenen Kindern keiner sagt, Mädchen – Du hast ES einfach nicht oder Du bist kein Model oder: das Modelleben ist nicht die Klum-Show sondern meistens harte Arbeit und kommt nicht von selbst, müssen wir im täglichen Leben die nichtstattgefundene Erziehung dieser Blagen ausgleichen bzw. nachholen.
Ja warum eigentlich?
Ein paar Grenzen ziehen, den Gören reinen Wein einschenken – das kann doch nicht so schwer sein?

Also bleibt das Fazit wie noch vor Jahren: unterhaltungstechnisch gar nicht mal so schlecht gemacht, in der Inszenierung aber durchsichtig und ohne Überraschungsmomente und im kolportierten Modelleben unglaubwürdig. Aber letztlich ist das auch nur zum TV Format erhobener Ausdruck einer Symptomatik, die sich durch alle Bereiche der Gesellschaft zieht: Ich kann wenig bis nichts, habe aber Anspruch auf fast alles.

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