Der motorisierte Individualverkehr wird sterben

Ich weiß nicht, wie das Automobil der Zukunft aussehen wird, wer es baut oder über welches System bzw. Energiequelle es angetrieben wird – ich bin mir aber sicher, dass im Zuge dieser Entwicklung der motorisierte Individualverkehr sein Ende finden wird.

Egal, wie man es andenkt, welchen Motor man verwendet und welche Gadgets dem Auto noch spendiert werden: mit der Entwicklung des selbstfahrenden Autos ist das Prinzip „Fahrer“ gestorben. Damit einhergehend werden wir uns vom Prinzip „Besitzer“ oder Fahrzeughalter verabschieden. Fahrzeuge, die von direkt von Menschen gesteuert und bedient werden und Fahrzeuge, die nur einem einzigen Menschen gehören werden ein Luxusgut werden. Wenn ich es nicht mal mehr selbst lenke und fahre, wozu muss ich es dann noch besitzen? Kann ich als Risikoquelle Mensch überhaupt noch ein Auto selbst steuern, wenn um mich herum alles mittels künstlicher Intelligenz und vernetzten Systemen fährt? Wenn Fahrzeuge nur noch automatisch bewegt werden, sind die künstlichen Intelligenzen optimal untereinander vernetzt und daraus resultierend ihre Rechenleistung derart hoch, dass sich alles mit einer deutlich größeren Geschwindigkeit bewegen ließe. Der Takt würde ein ganz anderer und dann stellt sich nämlich die Frage, wie sich da noch das fehlerbehaftete Element „Mensch“ integrieren ließe? Können wir dann noch mit der menschlichen Sensorik und dem trägen Reaktionsvermögen mit den Maschinen konkurrieren?

Und wenn man Kosten und Nutzen abwägt, wird man zu dem Schluss kommen, dass es günstiger ist, 50 Menschen in einen automatisch gelenkten Bus zu setzen, als 50 Leute in 50 Autos, die 50 Motoren brauchen, 50 eingebaute Computer, 50 Batterien/Tanks, 50 Karosserien, 200 Räder usw. Es ist unerheblich, ob die Start- und Endpunkte dieser 50 Passagiere unterschiedlich sind, die AIs werden für jeden Fahrgast die bestmögliche Route ausrechnen und für die nötigen Anschlüsse sorgen. Es wird kein Bedarf mehr bestehen, dass sich Menschen auf dem Weg zur Arbeit (falls es dieses Prinzip dann noch gibt) in motorisierte Schachteln setzen und jeder für sich in einer riesigen Blechlawine zur Arbeit rollt. Und welchen Zeitraum steht ein Auto bei der Mehrzahl der Fahrzeughalter ungenutzt herum? Wäre es nicht sinnvoll, dass wenn es schon mal gebaut wurde und Platz wegnimmt, ein Auto ständig zu bewegen? Das ließe sich nur erreichen, wenn es in der Zwischenzeit von anderen Personen benutzt werden kann. Wir verschieben täglich eine riesige Menge von Fahrzeugen, um jeweils einen Menschen an vielleicht 2 oder 3 Ziele zu bringen, ihn dort abzuladen und dann ungenutzt herumzustehen und zu warten, bis Herrchen wiederkommt.

Letzten Endes geht es ja nur darum, von A über B nach C zu kommen. Das eigene Auto ist dabei nur das heutige Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck. Ich weiß nicht, ob ich diese Zukunft für wünschenswert halte – für mich denke ich, eher nicht, aber das sie so oder so ähnlich kommen wird, lässt sich anhand der heutigen Entwicklung gut ableiten. Aus Fahrunterstützungssystemen werden in nicht allzu ferner Zukunft reine Fahrsysteme, bei denen der Mensch vielleicht auch noch mal darf, wenn die künstliche Intelligenz gnädig ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.