Wann wird es mal wieder richtig Sommer?

So sang Rudi Carell einst und traf damit den Nerv der (damaligen) Zeit.

Heute ist es anders. Der Sommer ist da und nun passt es den Leuten auch nicht.

Natürlich ist das belastend, wenn man bei Temperaturen um 35, 36 oder 37 Grad im Freien schuften muss. Oder in schlecht gelüfteten Bürobunkern. Oder keine Wassermelone zur Erfrischung hat. Es ist aber auch nicht so, dass es das früher nicht gab. Niemals nicht. Solche Hochsommertage waren immer mal drin (selten schon im Juni). Allerdings verbindet sich das jetzt mit lange anhaltenden Trocken- oder sagen wir besser Dürreperioden, unterbrochen von unwetterartigen Starkregenereignissen. Wir müssen uns auch darauf einstellen, dass solche Hitzewellen häufiger auftreten, wenn nicht gar zur Regel werden. Bei gleichzeitigem Mangel an verwertbarem Niederschlag (nannte man früher Landregen).

Das ist das eigentlich Beängstigende daran.

Noch beängstigender ist die Dummbrot-Fraktion (meistens AfD und anderen Esoterikern zuzuordnen), die mit dem Hinweis darauf, dass es früher auch mal solche Temperaturen gab, alles als Hysterie und Waschlappentum abtut und in Wallung gerät, wenn bloß der Name Greta Thunberg fällt.
Ich würde ja gern glauben, dass der Klimawandel einfach über solche Nulpen hinwegfegt und wir alle gleichermaßen in‘ Sack hauen – aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir das zwar ein gewisses Maß an Befriedigung verschafft aber im Großen und Ganzen nicht wirklich weiterhilft.
Wenn sich die erste Million Inder zu uns auf den Weg macht, weil es im Nordwesten ihres Landes wiederholt zu Temperaturen um die 50 Grad Celsius kommt, dann ist euer Mantra vom „zu verhindernden illegalen Grenzübertritt“ schneller Makulatur, als ein Milcheis in der prallen Sonne. Allerdings lebe ich ja nicht im luftleeren Raum, sondern müsste mich selbst mit mehreren Millionen Klimaflüchtlingen einrichten. Von daher wird mich die derzeitige Ignoranz in der großen Klimafrage auch betreffen.

Bis das soweit ist, werde ich versuchen, durch die aktuellen Temperaturen zu kommen und mich wehmütig an Sommer erinnern, wie sie Rudi Carell einst besang. Bei denen man nicht vor jedem Gewitter Angst haben musste, dass einem gleich der Himmel auf den Kopf fällt.

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