Eier, Diesel und der ganze Rest

Er ist in aller Munde, der … Eierskandal. Naja, ein bisschen Dieselgate auch noch, aber da sind wir erregungstechnisch schon überm Berg.

Ich notiere jetzt hier auch nur ein paar Punkte so für mich, damit ich was zum Erinnern habe, wenn ich nach Jahren (und weiteren Skandalen) wissen möchte, wie Krisenmanagement 2017 aussah.

Also, Diesel.
Mir ist klar, dass das komplette Einstampfen dieser Technologie die deutsche Automobilindustrie bis ins Herz treffen würde. Auch wird man auf absehbare Zeit keinen nennenswerten Anteil an Elektromotor-getriebenen PKWs im Individualverkehr erreichen – ÖPNV und Fuhrparks von Ver- und Entsorgern mal ausgenommen. Aber so ein bisschen Innovation und Zukunftsdenken und vor allem geistige Beweglichkeit darf man von den großen Automobilkonzernen doch erwarten?
Jahrelang wird gekungelt, gemauschelt und die Luft verdieselt – aber wenn man dann doch dabei erwischt wird, drängt man sich in die Opferrolle und beraumt „Dieselgipfel“ ein, wo man dann Geschenke an die Kunden verteilt. Ein großer Gerichtsprozess mit Sammelklage wäre die weitaus passendere Alternative gewesen.

Aber nur damit ich das als technischer Laie auch verstehe: man muss als „nur“ etwas an einer Software drehen und schon stößt das Töff-Töff viel weniger Stickoxide, Rußpartikel und Schwefeldioxide aus?
Das kann man einfach so einstellen, per definierter Konstante oder so?
Oder „korrigiert“ das nur die gemessenen Abgaswerte und alle sind zufrieden?
Und wenn das so einfach geht, wieso hat man das nicht schon vorher gemacht? Wieso erst, wenn die Dieselkacke am Dampfen ist? Eine Welt mit weniger Emissionen und Schadstoffen findet doch jeder gut?!

Aber egal wie man das jetzt dreht oder wendet; Dieselantrieb, Elektro oder wie bei Familie Feuerstein – der motorisierte Individualverkehr ist keine Antwort auf die drängenden Probleme der Zukunft.
Null.
Es ist eine Sackgasse.
Warum?
Schon jetzt laufen (und fahren, teilweise) annähernd 10 Milliarden Menschen auf dem Planeten rum. Nur ein kleiner Teil davon ist motorisiert und selbst bei diesem Teil sind die Auswirkungen seiner (auch nur in Teilen Mehrfach-)Motorisierung enorm. Wer jetzt keine Vorstellung von enorm hat, begebe sich zum Beispiel in Berlin in den Berufsverkehr. Mit dem Auto. Oder stelle sich Los Angeles vor.
Und jetzt schickt sich die Mehrheit dieser 10 Mrd. Menschen ohne Auto an, sich zumindest einen PKW anzuschaffen. Wir reden hier nicht mal vom westlichen Modell der Zweit- und Drittwagen für die Familie. Nur jeweils ein Auto für die Familien der 3 Milliarden Chinesen, 1,5 Milliarden Inder usw.
Wo soll das hinführen? Wo soll das enden?
Die Städte werden dann vorrangig für die vielen Autos (um)gebaut werden müssen – zwischen den Straßen, Energietankstellen und Parkhäusern vielleicht noch ein paar Wohnblocks für die Halter dieser Fahrzeuge. Ansonsten nur noch Verkehr, wo dann 12 Autos mit einem Fahrer und Insassen hintereinander im Stau stehen, wo es auch 3 Autos mit 4 Leuten sein könnten. Oder ein halber Bus. Oder …

Es ist sinnlos, in diese Richtung weiterzudenken. Autos werden nur noch ein Luxusartikel für Privilegierte sein. Für 99% der Menschheit müssen andere Lösungen gefunden werden.

Und da kommen wir jetzt zu den Eiern.

Hier kann man leider nichts mit einem Software-Update regeln. Oder doch?!

Aldi stoppt den Verkauf von Eiern in allen Filialen. Gleichzeitig wird unermüdlich betont, dass selbst von den mit Fipronil belasteten Eiern keine Gefahr ausgeht.
Finde den Fehler in dieser Aussage.

Abgesehen davon, dass wir uns a) keine Sorgen machen müssen, aber b) trotzdem alle verdächtigen Eier aus dem Verkehr gezogen werden – bezieht Aldi alle seine Eier aus den Niederlanden? Sind die dann alle durch die orangene Färbung zu identifizieren? Nein, kleiner Scherz am Rande.

Dieses generelle Herumrudern und vor allem Bedeckthalten ist 2 Fakten geschuldet:

  1. Die Globalisierung bzw. der transnationale Warenverkehr machens möglich: Irgendwo in China kippt ein Eimer Wachstumsmittel in die Fischfarm und in deinem deutschen Labor der Lebensmittelkontrolle macht es Piep!
  2. Es geht doch nicht mal um die Eier im Privatkundenverkauf. Was ist mit den Millionen Eiern, die zu Trockenei verarbeitet in weiterführende Wertschöpfungsketten verkauft werden? Was will man da noch mit Prüfnummern erreichen? Die sind längst in Mayonnaise, Fertigkuchen oder Fertiggerichten enthalten.

Das ist eben ein Übel dieser Zeit. Wenige Hersteller, wenige Verteiler decken den Markt zum Großteil ab. Kommt es an einer Stelle zu einem Problem, pflanzt sich der Fehler in großem Maßstab bis zum Endverbraucher fort.
Ich kann mir denken, was die Industrie auch hier sagen wird: Ja ich, der böse Verbraucher und Konsument will das ja genau so haben. Billig, billig, billig – die armen Hersteller sind förmlich gezwungen, bei Qualität und Standards Abstriche zu machen, ja gegen Regeln und Gesetze zu verstoßen. Sie können gar nicht anders. Denn wenn ein Brot nicht höchstens 1 € kostet, kaufe ich erst gar keins. So ist das!

Mal abgesehen davon, dass ich jetzt nicht in Panik verfalle und die Nummern auf den Eiern abgleiche (Problem daran: meine Eier tragen gar keine Nummer, weil sie von privat kommen. Die Hühner laufen auf dem Hof herum und picken hier was, picken dort was, scharren mit Lust und Laune und müssen Abends in den Stall, falls der Fuchs kommt), es hat auch keinen Sinn. Wie schon gesagt, wird der weitaus größere Teil der produzierten Eier in die Weiterverarbeitung gegeben und zweitens denke ich nicht, dass das alles war. Bei dem Eiergate sowieso nicht und bei anderen Lebensmitteln war es jetzt auch zu ruhig. Es fehlt eigentlich so ein richtiger Aufreger. Dioxin in Lebensmitteln, Pferdefleisch in der Lasagne, Schimmelpilze als Geschmacksverstärker usw.

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