Slowdive – die Shoegaze Götter sind zurück

Slowdive sind nach 22 Jahren zurück mit einem selbstbetitelten Longplayer und hier lest ihr, ob sich das Warten gelohnt hat.

Es gibt sie also doch noch, die Milde und Güte der Götter.
Sie hatten ein Einsehen und vor allem Mitleid mit uns armen Sündern und sandten ihre Propheten zurück auf die Erde. Damit sie unter uns weilen und Gutes tun.

Haben sie auch.

Nachdem sich Slowdive 2014 ja schon für ein paar Liveauftritte auf diversen Festivals wiedervereinigt hatten, haben sie jetzt auch ein neues Studioalbum veröffentlicht. Also, der Menschheit geschenkt.
Slowdive lautet der eponyme Titel dieses Silberlings, auf den die Fans satte 22 Jahre warten mussten. Jaja, die Götter können auch grausam sein …

Natürlich klingen meine Shoegaze-Helden nicht mehr so unbekümmert wie 1992 und auch die Pedals und Effektmaschinen werden viel überlegter eingesetzt, aber schon bei den ersten Gitarrenriffs ist der alte Slowdive-Zauber sofort wieder da. Die hellen Gitarrenschläge, die Echo- und Hall-Effekte, die Melodiestrukturen, die sich irgendwo in Traumregionen verlieren, das prägnante Schlagzeug – es ist alles da, was zu einem großartigen Slowdive-Album gehört. Man muss sich nur mal in Everyone knows oder Slomo reinhören, um gewahr zu werden, welche Klanggemälde diese Musiker imstande sind aufzubauen.

Ob es nun an Rachel Goswells durch Krankheit bedingter Taubheit liegt oder die Stimme nicht mehr ganz so da ist – jedenfalls sind ihre reinen Gesangsanteile gegenüber den früheren Alben stark zurückgefahren worden. Wenn es aber drauf ankommt, haucht die Sirene wie eh und je.

Oftmals hat man ja den Fall, dass großartige Musiker in ihren Alterswerken so eine Art Zynismus an sich selbst anlegen und so zum Beispiel die Erstlingswerke verleugnen. Das kann ich bei Slowdive nicht ausmachen. Sicherlich wird kein zweites Shine zu erwarten sein und auch der Hang zu überlangen epischen Songs hat sich verwachsen, aber dafür gibt es eben auch die Frühwerke, an die man sich halten kann.

Ich halte nicht viel von Vergleichen. Slowdive klingen eben wie Slowdive. Nicht mehr ganz so jugendlich verspielt, etwas glatter aber eben noch immer wie die Band, die Anfang bis Mitte der 90er Jahre die Maßstäbe im Shoegazing setzte.

Kaufempfehlung – diese Frage stellt sich mir gar nicht. Wirklich nicht. Eine Band, die soviel an Renommee zu verlieren hat, kommt nicht nach 22 Jahren wieder im Studio zusammen, um Murks abzuliefern.

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