Bullenhaut und alte Antriebstechnik

Ich teile mit Euch mal „Altertumswissen“, was ich neulich erst ausgegraben habe.

Es ist ja nichts Neues, dass zusammen mit dem alten Handwerk auch so vieles an Fertigkeiten und Wissen verloren geht. Wie aber vieles auf verschlungenen Wegen voneinander abhängig war, zeigt ein Fakt auf, den ich bisher auch nicht kannte.

Bei natürlich aufwachsenden Bullen kommt es vor, dass sich konkurrierende Tiere mit den Hörnern in den Bauch zu stoßen versuchen. Damit die Bullen daran nicht gleich zugrunde gehen, hat es die Natur so eingerichtet, dass gerade diese Bauchpartien von sehr widerstandsfähiger und verdickter Haut geschützt werden.
Das aus dieser Haut gewonnene Leder eignet sich ganz besonders für Transmissionsriemen, wie sie in der mechanisierten Handwerks- und Technikwelt lange Zeit im Einsatz waren. Und es waren nicht wenige Gewerke, bei denen man mit bloßer Menschenkraft nicht weiterkam. Ich denke da an viele Besuche bei Sägewerken, Mühlen usw.
Man brauchte ja nur ein Antriebsaggregat wie einen Dieselmotor, ein Wind- bzw. Wasserrad und konnte die Bewegung mittels wechselndem Transmissionsriemen von der Hauptwelle auf jede x-beliebige Maschine oder Werkzeug umleiten. Die Transmissionsriemen mussten nur zäh und dennoch biegsam sein. Genau diese Anforderungen erfüllte das Leder aus Bullen-Bauchhaut.

Heute, wo keine Mühlen mehr mit Transmissionsriemen mahlen, in keinem Sägewerk Bretter zugeschnitten oder bei Wagner Nabenlöcher gebohrt werden, braucht man auch kein Bullenbauchleder mehr. Abgesehen davon, dass die Tiere durch getrennte Stallhaltung auch nicht mehr in die Situation kämen, sich gegenseite auf die Hörner zu nehmen.

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